MaxFun Sports Laufsport Magazin

Muss es unbedingt der Gipfel sein?

01.03.2010, 12:00:00
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Ja, er muss es sein, denn wer immer nur am Fuße des Berges herumturnt, sieht das Sonnenlicht nie, wird sich immer im Schatten bewegen.

„es is erst vorbei, wauns vorbei is“, „abgerechnet wird am Schluss“, „aufgeben tut man einen Brief“. Alles leichter gesagt als getan, denn wer um Gottes Willen ist besonders heiß darauf, als Letzter ins Ziel zu kommen, bloß, weil er den rabenschwarzesten Tag seines ganzen Lebens erwischt hat? Niemand vermutlich. Wer um Gottes Willen freut sich darüber, dass er - wie er es allen Freunden, die er am Streckenrand postiert hat, prophezeit hat - anstatt nach 2h55Min nach knapp viereinhalb völlig dehydriert, nicht wissend und verstehend, wie das wieder hatte passieren können, ins Ziel torkelt? Wer um Gottes Willen ruft gerne seine bereits zum Sonntagsschmaus versammelte Familie an und muss um ein Abholservice auf halbem Wege bitten; weil Gegenwind und eisige Kälte ihm partout die Weiterfahrt auf dem Rade, nach hundert Kilometern, verweigern?

Die meisten unter Ihnen werden solche oder so ähnliche Situationen wohl schon erlebt haben. Dabei stellt sich natürlich die Frage, ob man nicht einfach aufgeben und „es“ (was auch immer das ist) ein, zwei Wochen später wieder versuchen sollte. Und es gibt kaum einen Sportler, der noch nie in seinem Leben aufgegeben hat. Gelegentlich ist dies auch vernünftiger; wenn man sich beispielsweise unfassbar müde und ausgelaugt, ausgepowert und am Boden vorkommt, muss man den Halbmarathon nicht finishen, bei dem man gerne Rekord gelaufen wäre. Da mag es besser sein, nach der Hälfte der Distanz auszusteigen, zwei, drei Wochen vernünftig weiterzutrainieren (was bei einem vollständigen Absolvieren der 21,1 km - sagen wir 2 Minuten langsamer als vorgenommen - nicht möglich wäre, da der Körper zu ermüdet), um es dann nochmal zu versuchen.

Wer allerdings in dieses Verhaltensschema hineindriftet, immer alles, was nicht perfekt läuft, aufgibt und hofft, dass es das nächste Mal (aus welchem Grund auch immer) besser oder gar perfekt laufen wird, der wird eventuell nicht vom ganz großen Erfolg gekrönt sein. Denn auch Verlieren will gelernt sein, Leiden, Kämpfen. Erstens werden Siege oder persönliche Rekorde dann wesentlich schöner, befriedigender, sie strahlen in ganz anderem Licht, zweitens ist das Gehen eines harten, nicht immer erfolgreichen Weges ein enorm wichtiger Teil der eigenen Persönlichkeitsentwicklung. Nur wer diese Härten des Lebens kennengelernt hat, erfahren hat, wie es sich anfühlt, aus einem tiefen Tal und aus ureigenster Kraft wieder hochzusteigen, der wärmenden Sonne entgegen; wer physischen, psychischen und seelischen Schmerz ertragen konnte, kann die Strahlen unseres leuchtenden Sterns auf seiner blanken Haut schätzen und lieben lernen. Natürlich kann man sich die Frage stellen, ob man seine Ziele nicht zu hoch setzt; muss es unbedingt der Gipfel sein? Ja, er muss es sein, denn wer immer nur am Fuße des Berges herumturnt, sieht das Sonnenlicht nie, wird sich immer im Schatten bewegen. Doch auf dem Weg nach oben liegen unendlich viele Steine, sind Schluchten zu überspringen, reißende Bäche zu überqueren, wilde Bestien zu besiegen, Drachen, die Feuer spucken; aber wer einmal oben war, will wieder dorthin und wieder und wieder. Wie schlimm´s auch immer sein mag. Aufgegeben wird ein Brief, oder um bei den Amis zu bleiben; „It´s not over until the fat lady starts to sing!“

Christian Kleber (MAS)

Link: www.WomanMaxFun.com

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