MaxFun Sports Laufsport Magazin

Leere Lauf-Kilometer

Sport soll auch aus Emotion, Lust und Laune gemacht werden

Wer trainiert, möchte meistens vor allem eines: besser werden. In welcher Form auch immer. Aber nicht nur diejenigen, die gerade mit dem Training beginnen, kennen sich oft nicht aus, wie Training funktioniert bzw. funktionieren kann. Sondern auch die sogenannten „alten Hasen“ machen manchmal Dinge, die – zumindest aus trainingstechnischer Sicht – zum Haare raufen sind. Nun muss Sport ja nicht immer einen bestimmten Trainingszweck erfüllen. Sport darf und soll auch ab und an aus einer Emotion, aus purer Lust und Laune heraus, entstehen. Ob man da in seinem akribisch festgelegten Trainingssoll ist, ist eher zweitrangig, so man nicht jedes Mal derartig unterwegs ist.

Aber prinzipiell ist es vorteilhaft, wenn Training Sinn macht. Sprich, wenn Training geplant, durchdacht und reflektiert wird. Der ausgeklügelte Plan vom besten Trainer hilft rein gar nichts, wenn der Körper nicht adäquat darauf reagiert – was für den einen perfekt passt, muss für den anderen noch lange nicht stimmig sein. Der eine braucht hauptsächlich Grundlagenkilometer, der andere eher mehr härtere Einheiten, der eine braucht mindestens zwei komplette Ruhetage pro Woche, der andere monatelang gar keinen, der eine fährt perfekt mit zusätzlichem Krafttraining, der andere bekommt sogar Probleme, so er solches praktiziert. 

Unnötiges Training vermeiden
Auf all das muss man selbst kommen, jedes Individuum für sich. Respektive mitsamt seinem Trainer, der von Anfang darauf achten sollte, wie sein Schützling auf verschiedene Reize reagiert. So kann man nach und nach alles Sinnlose aus dem Trainingsprogramm eliminieren und nur noch das machen, was tatsächlich etwas bringt. Klingt logisch, ist aber nicht leicht zu bewerkstelligen, da einem ja der Vergleich mit sich selbst gänzlich und immer fehlen wird. Man kann schlicht und einfach nur EIN Trainingsprogramm trainieren, weiß daher nicht, wie der Körper zur gleichen Zeit auf andere Reizsetzungen reagieren würde. 

Wer zum Besipiel im Jahr 2017 etwas mehr als 93% Grundlage trainiert und vor den beiden Marathons, die er gelaufen ist, diese und jene Akzente gesetzt hat (und damit vielleicht zwei neue Bestzeiten aufgestellt hat), wird nie wissen, wie schnell er gelaufen wäre, hätte er nur 88% Grundlage trainiert und andere Akzente gesetzt. Ändert er sein Training im Jahr 2018 und hat damit noch mehr Erfolg (oder überhaupt keinen), wird er das logischerweise auf die anderen Akzentsetzungen zurückführen – ohne aber wissen zu können, wie erfolgreich er gewesen wäre, hätte er genauso weiter trainiert wie 2017. Das hätte unter anderem folgende Gründe: 2017 ist nicht 2018, aber der Läufer ist ein Jahr älter, sein Körper hat sich ergo wieder etwas verändert. Und an allen einzelnen Tagen des Jahres 2017 herrschten mit Sicherheit (etwas) andere Bedingungen als an allen einzelnen Tagen des Jahres 2018 (außer man trainiert unter immer gleichen Laborkonditionen). 

Kein Lauf ist gleich 
Ein 25-km-Lauf mit durchschnittlich 138 Puls, gleichmäßig gelaufen, bewirkt im Körper am Tag X etwas Anderes als exakt der gleiche Lauf am Tag Y. Einfach weil es sich um einen anderen Tag mit anderen Umgebungsvoraussetzungen handelt, man wird nicht exakt zur gleichen „Tagessekunde“ weglaufen, die Ernährungssituation ist eine (etwas) andere, und man selbst hat sich ja auch weiterentwickelt. Man ist (hoffentlich) bereits etwas stärker als beim letzten 25er. 

Es ist also prinzipiell gar nicht möglich (exakt) herauszufinden, wie man leere oder sinnlose Kilometer vermeidet und nur noch Sinnvolles trainiert; natürlich darf man annehmen, dass man recht gut unterwegs ist, so die persönliche Leistung immer besser wird, aber aufgrund der Komplexität des gesamten Universums, zu dem wir wohl zweifelsohne dazugehören, wird es nie möglich sein zu wissen, was wäre, wenn - außer die Theorie der unendlich vielen Paralleluniversen stimmt. Dann nämlich findet alles irgendwann irgendwo statt und jeder von uns wird alles Erdenkliche ausprobiert haben im Training (und nicht nur dort) und alle möglichen Daseinsformen angenommen haben. Darüber kann mal beim nächsten 25er sinnieren.

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23.07.2018, 12:00:00
Foto: pixabay.com
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