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MaxFun Sports Laufsport Magazin

Fremdbestimmt

Man macht manchmal Dinge, die man gar nicht will

Wenn du zu hundert Prozent der Meinung bist, alles im Leben - dazu zählt auch dein sportliches Training - nur aus einem einzigen Grund zu tun, nämlich wegen deiner inneren Motivation, brauchst du nicht weiterlesen. Hast du so manches Mal den leisen Anflug eines Hauchs einer Vermutung, dass du hie und da Dinge tust, die du eigentlich gar nicht tun willst, solltest du weiterlesen. Und schon wieder bist du dort, wo du eigentlich gar nicht sein willst. Vielleicht. Denn schon hat man dich quasi überredet, die nächsten Zeilen in Angriff zu nehmen.

Man kennt folgendes Szenario: Man rennt seinen GA-I-Zweistünder und kommt an einem vollen Biergarten vorbei, die Leute feiern, schreien, prosten sich zu, glotzen einen an, schon von weitem. Noch lange bevor man dich eventuell erblicken könnte, beschleunigst du von 5:00 auf gefühlte 3:55, veränderst deine bereits müde Körperhaltung in Richtung aufrechter Gang des gebildeten Homo sapiens oder noch besser, des Homo superior, deine Gesichtszüge entspannen sich, alles ist im Flow. Zumindest solange, bis du das Lokal und die jaulende Menschenmenge, die dir teilweise ausgesprochen aufmunternd zujubelt, passiert und weit hinter dir gelassen hast, dreihundert Meter Gehpause.

Auch diese Situation ist uns bekannt: Wettlauf, Start, Vollgas davon. Du weißt natürlich, dass das nie geht, machst es aber trotzdem, willst dir keine Blöße geben vor den anderen, auch nicht vor den im Startbereich zahlreich vorhandenen Zusehern, nach spätestens eineinhalb Kilometern dann die nackte Wahrheit, Laktat pur, Puls viel zu hoch, Einbruch. 

Man kennt selbstverständlich auch das: Sonntagmorgen, sechs Uhr, Lauftraining mit den Kumpels vom Verein, Bolzerei im Gelände vom Feinsten, neun Uhr Frühstück, Berlin-Marathon im TV, unglaubliche Leistungen, es juckt in den müden Beinen, man „muss“ hernach nochmal hinaus, weil die Athleten aus Kenia es wieder mal so richtig krachen haben lassen, man kann gar nicht anders. Spätestens nach vierzig Minuten die Erkenntnis, dass man diese zweite Laufeinheit doch hätte lassen sollen, man selbst stammt aus Mitteleuropa und kann nicht mehr, hilft aber nichts, weitere vierzig oder aufgrund der ausartenden Müdigkeit eher fünfzig Minuten sind es noch, bis man völlig entkräftet zu Hause ankommt.

Warum das alles (und noch viel mehr)?
Läuft, trainiert man nicht für sich selbst? An und für sich schon, aber viele kommen damit nicht klar, wollen nicht mit mageren zehndreiviertel km/h an tausenden anderen vorbeihumpeln, obwohl kaum einer von den Johlenden selbst auch nur annähernd so sportlich ist wie man selbst. Müssen es dem vor sich fahrenden „Hobbyradler“ unbedingt zeigen und ihn nach Strich und Faden abhängen. Und so vergeigt man sich sein eigenes Training und seinen eigenen Formaufbau, Tag für Tag, Woche für Woche. 

Einem Profi passiert so etwas nicht, der hält sich stur an seine Trainingsvorgaben, rollt, wenn es die äußeren Bedingungen (Gegenwind etc.) nicht anders zulassen, auch mal mit 17km/h dahin, so er damit dennoch in seinem Trainingsbereich ist. Österreichs schnellste LäuferInnen lassen sich beim Ein- und Auslaufen - das sie teilweise ausgesprochen langsam gestalten - auch nicht von irgendwelchen Hobby-Läufern zu unsinnigen Wettkämpfen herausfordern. 

Jan Frodeno hat einmal Folgendes geschildert: bei den Olympischen Spielen war er auf der Laufbahn ausgelaufen, müde vom Training war es lediglich ein Fünferschnitt gewesen, er schämte sich dafür, und doch überholte er einen noch langsameren, im Halbdunkeln konnte er diesen zuerst nicht erkennen, beim Vorbeilaufen konnte er seinen Augen fast nicht trauen, kein Geringerer als Kenenisa Bekele trabte mutterseelenallein noch langsamer herum. Du machst das alles für dich selbst – denk dran.

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12.09.2018 13:00:00
Foto: pixabay.com
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