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MaxFun Sports Laufsport Magazin

Weltrekorde und Ähnliches

Die Jagd nach den Hundertstelsekunden

4Min12,33s, das ist der neue Weltrekord über die Meile bei den Damen, aufgestellt von der Niederländerin Sifan Hassan am 12. Juli dieses Jahres im lieblichen Monaco. Damit verbesserte sie die bisherige Bestmarke von Svetlana Masterkova zwar „nur“ um 22 Hundertstel, aber immerhin; schließlich kam beispielsweise eine Genzebe Dibaba lediglich auf 4Min14,30 (die Äthiopierin liebt aber die Halle, dort hat sie eine 4Min13,31 stehen – Weltrekord-Halle), eine Hellen Obiri auf 4Min16,15 oder die legendäre Sonia O´Sullivan auf 4Min17,25. Zum Vergleich; Österreichs schnellste Dame über diese Strecke, Theresia Kiesl, lief 1996 in Zürich 4Min24,37s. 

Wahnsinn, was sich da gerade tut in der Welt der Leichtathletik. Nicht nur Sifan Hassan glänzt auf diversen Distanzen (sie stellte heuer ja bereits einen Weltrekord über die 5km auf der Straße auf, 14Min22,34s, ebenfalls in Monaco; und sie kann auch länger, letztes Jahr gelang ihr bei ihrem allerersten Antreten in einem Halbmarathon mit 1h05Min15s gleich der Europarekord), die Rennen werden spannender und spannender. Das mag durchaus daran liegen, dass immer mehr Damen und Herren auf höchstem Niveau um das 400-m-Oval sprinten oder sich in den Straßen großer Metropolen von den ersten Metern an nichts schenken; das mag daran liegen, dass man sich heutzutage vom Startschuss an wesentlich mehr zutraut.

Kaum ein Rennen, das konservativ angegangen wird

Man erinnere sich beispielsweise an den allerersten Kilometer von Eliud Kipchoge bei seinem Marathon-Weltrekord in Berlin. Den war er in sage und schreibe 2Min43s gelaufen; und das mag durchaus daran liegen, dass sämtliche SpitzenläuferInnen nun tatsächlich alles, was man tun muss, tun. Nicht falsch verstehen, keine Rede von Doping, vielmehr von Stabi-Training vom Feinsten, Koordinativem, das selbst chinesische ZirkuskünstlerInnen verblassen ließe. Die Rede ist selbstverständlich auch von INDIVIDUELL optimaler Ernährung vor, während und nach dem Training, sowie vor, während und nach dem Wettkampf; und die Rede ist von bestmöglicher Ausrüstung, angefangen von den Schuhen über die Socken bis hin zum passenden Kettchen um den Hals.

Viele dürften erkannt haben, dass sie ihr volles Potential nur dann ausschöpfen können, wenn sie neben der Hauptsache, also dem Lauftraining, ALLE Nebengeräusche genauso perfekt mit hineinspielen lassen in ihren Tagesablauf; Hermann Maier hat dereinst in einer anderen Sportart mit dieser Akribie, mit dieser Liebe zum Detail, mit dieser Beharrlichkeit und dieser unglaublichen Disziplin begonnen; Riesentalent kombiniert mit Riesenarbeit kombiniert mit allem Drum und Dran. Und natürlich kombiniert mit einer Riesenportion Glück; all das machte ihn zu einem Superstar. Marcel Hirscher führte diesen 24/7-Job im letzten Ski-Jahrzehnt weiter, und offensichtlich arbeiten immer mehr SportlerInnen (die natürlich auch über entsprechendes Talent verfügen müssen) auf ziemlich ähnliche Art und Weise. Wer ganz oben sein möchte, muss in hochentwickelten Sportarten tatsächlich 168h/Woche SportlerIn sein, das versteht man unter Professionalität. Unwahrscheinlich, dass Sifan Hassan nach ihrer Wahnsinnsmeile (die übrigens mit 2Min08s über die ersten 800m relativ langsam angegangen wurde) eine „Wahnsinnsmeilen-Party“ geschmissen hat, vielmehr wird sie in aller Ruhe auslaufen gegangen sein, um sich sofort danach auf den Rest der Saison zu konzentrieren. 

INEOS 1:59 Challenge in Wien

Unwahrscheinlich auch, dass Eliud Kipchoge nach einem seiner fulminanten Marathonsiege ausschweifend gefeiert hat; nach London 2019 war klarerweise vor Wien 2019, der Kenianer will ja bekanntlich im Oktober im Prater als erster Mensch unter 2h bleiben. Da gibt es keinen Spielraum, die Luft in diesem Bereich ist dermaßen dünn, dass jedes Sauerstoffmolekül, das man durch ein anderes ersetzt, abgeht bei der Jagd um den Hauch von Nichts, der zwischen Sieg und Niederlage, zwischen Weltrekord und Nicht-Weltrekord entscheidet. HobbysportlerInnen müssen natürlich nicht dermaßen fokussiert vorgehen. Wohl aber sollte einem klar sein, dass man mit weniger Bier, weniger Kaffee, ausgewogenerer Ernährung und intelligenterer Trainingsplanung so unglaublich viel mehr erreichen könnte. 

Link: www.maxfunsports.com

17.07.2019, 13:00:00
Foto: pixabay.com
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