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Der letzte Tanz

Lauf-Star Kenenisa Bekele und seine Formkurve

Eigentlich wollte er ursprünglich Weltrekord laufen. Im Marathon. So abwegig ist die Idee nicht gewesen. Immerhin ist Kenenisa Bekele der amtierende Weltrekordhalter über 5000m und 10000m. Man kann nicht gerade behaupten, dass sich andere in den letzten Jahren die Zähne an diesen Zeiten ausgebissen haben, abgesehen von Selemon Barega, der heuer in Brüssel mit seinen fantastischen 12Min43s mehr als nur aufhorchen ließ – nicht zuletzt deshalb, weil er erst achtzehn Jahre jung ist. Es kam niemand auch nur annähernd an Bekeles (oder auch Gebrselassies) Zeiten heran. Der Serien-Olympiasieger und Weltmeister Mo Farah beispielsweise hat „nur“ 12Min53s und 26Min46s stehen, das sind Welten zwischen den 12Min37s und den 26Min17s von Bekele und den Zeiten des Briten.

Bekeles Marathon-Karriere begann vielversprechend. Bei seinem Debüt gewann er gleich einmal den Paris-Marathon in etwas über 2h05Min (was im Jahre 2014 lediglich etwas mehr als „zwei Minuten über Weltrekord“ bedeutete). Bekeles 2h03Min03s in Berlin und die Art und Weise, wie er die letzten zwei, drei Kilometer „gestaltete“, ließen auf ganz Großes hoffen. Dann waren da aber auch immer wieder Marathons, die er aufgeben musste und Marathons wie jener letztes Wochenende in Amsterdam. Und dann ist da noch Eliud Kipchoge, dessen Dominanz im Marathon unfassbar geworden war in den letzten Jahren. Und dessen neulich aufgestellter WR in Berlin (2h01Min39s) sämtliche Weltrekord-Anwärter schockiert haben dürfte.

Weltrekord oder Streckenrekord
Zurück nach Amsterdam, Bekele war im Vorfeld wohl klar gewesen, dass der Weltrekord außer Reichweite lag. Daher spitzte er auf den Streckenrekord, den Lawrence Cherono gehalten hatte (etwas über 2h05Min); das Rennen lief gut für Bekele, bis km 30 cruiste er scheinbar locker in der sechsköpfigen Spitzengruppe mit, dann Verpflegung, als Zuseher dachte man, ok, deshalb auch kurz am Ende der Gruppe, schön im Windschatten und das Bisschen an Kohlenhydraten verdauen, der Abstand wurde größer, größer, größer, der gleiche Cherono, der schon im Vorjahr so schnell gelaufen war, drückte immer mehr aufs Tempo, Bekele riss ganz ab, wurde immer langsamer.

Und während der entfesselnd laufende Vorjahressieger fast noch die 2h04Min-Barriere geknackt hätte (nach 2h04Min06s flog der Keniate förmlich über die Ziellinie im Olympiastadion), gab einer der größten Läufer aller Zeiten auf, zwei Kilometer vor dem Ziel hielt der Kameramann minutenlang „drauf“, als begeisterter Bekele-Fan kamen einem die Tränen. Als man ihn da so gehen sah, allein, am Straßenrand, statt Weltrekord oder Streckenrekord oder „wenigstens“ Sieg ein weiteres DNF. War das Bekeles „letzter Tanz“? Oder kommt da noch etwas? Bei einem solchen Ausnahmekönner darf man niemals „nie“ sagen, wenngleich Kipchoges Rekord in extrem weiter Ferne liegen dürfte. Für alle anderen Läufer dieser Welt.

So wie Bekele geht es wohl jedem Sportler einmal, egal wie hoch das individuelle Niveau sein mag. Manchmal geht es einfach nicht, obwohl man quasi perfekt trainiert hat für ein Ereignis, irgendwann ist „es“ (was auch immer) dann ganz aus und man muss einsehen, dass Jüngere schneller sind, man muss einsehen, dass man selbst nicht mehr dort mitspielen kann, wo man eben noch mitgespielt hat. Das ist ganz natürlich, denn sonst gäbe es – denkt man all das konsequent zu Ende – kein Leben. Nur wer das eingesehen hat, kann sich mit Freude Neuem widmen. Und das kann durchaus weiterhin bedeuten, dass man an Wettkämpfen teilnimmt, allerdings mit anderem Fokus. Ob dies nun der Sieg in der Altersklasse, der Erhalt einer sportlichen Figur oder das freudvolle Städtereisen mit damit verbundenen Teilnahmen an diversen City-Marathons (ganz ohne Zeitvorstellungen) sein mag, wichtig scheint nur, dass man irgendwann verstanden hat, dass es so ist, aber vor allem, dass es so gut ist. Wenngleich es allen Bekele-Fans gleich gehen dürfte, die hoffen sicher, dass „es“ bei ihm noch nicht so weit ist. 

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23.10.2018, 08:00:00
Foto: Dubai Marathon Presse
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