MaxFun Sports Laufsport Magazin

Lauftraining einst und jetzt

14.08.2013, 12:00:00
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Worin liegen die Unterschiede zwischen dem Lauftraining, das man vor zwanzig Jahren betrieben hat im Vergleich zu heutigen Trainingsplänen?

Was hat sich seit damals verändert, von der Trainingsphilosophie angefangen über Umfänge, Intensitäten, Ausgleichstraining, etc. Zuerst einmal soll festgehalten werden, dass bis vor kurzer Zeit vor allem die (sehr) leistungsorientierten Läufer kaum noch vorhanden waren. Kam man in den neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts mit einer 10-km-Zeit von 35Min30s so gerade mal unter die Top-20 - wenn überhaupt - jedes x-beliebigen Laufes, so kann man sich heute noch - wenn auch immer seltener - durchaus als Gesamtsieger wähnen mit einer solchen Zeit. Standen in den neunziger Jahren oft vielleicht 80-100 LäuferInnen am Start, so sind es heutzutage bei großen Laufveranstaltungen schon mal 40.000; aber auch bei „kleineren“ Läufen gibt es oft 1.000 und mehr TeilnehmerInnen, schon allein aufgrund der vielen Bewerbe und Klassen, die da angeboten werden. Hat man vor zwanzig Jahren oft knallhart trainiert, so denken auch heute noch viele, dass sie mit bloßem Joggen leicht unter 3h laufen können. Die Vor- und Nachteile beider Trainingsarten sollen nun ein wenig beleuchtet werden.

In den Anfängen (wenn man so will) des Breitenlaufsports galt weit verbreitet der Grundsatz: "Mehr ist besser". Da wurden abenteuerliche km-Zahlen runtergeklopft, die zwar von einigen verkraftet wurden, die waren dann auch sehr stark, viele sieht man von denen heute allerdings nicht mehr; die meisten waren vielfach verletzt, wurden operiert, depressiv und Ähnliches. Die Gründe - vor allem für die letzte Eigenschaft - darf sich jeder selbst ausmalen. Jede Trainingswoche bestand aus mindestens einem harten Intervalltraining (mit ordentlich Blutgeschmack im Mund), einem Tempodauerlauf und - je nach Wettkampfdistanz - einem Long jog, der mit zunehmender Spezifizierung immer längere Crescendo-Elemente enthielt. Die restlichen Einheiten waren schon allein aufgrund dieser Belastungen auch kein besonders süßer Zuckerschlecken. Diejenigen, die dieses Training verkraftet haben, stellten auch sämtliche Sieger allerorts.

Heute joggen die meisten Menschen locker vor sich hin, wozu anstrengen, man rennt meist "nur" zum Ausgleich zum ohnehin stressigen Alltag. Zumal die Wirtschaft längst dahinter gekommen ist, dass man mit "gentle running" ein viel breiteres und zahlungskräftigeres Publikum hinter dem Ofen hervorlocken kann. Das dann auch bereitwillig daran glaubt, dass man mit 120 Puls Fett verbrennt und glücklich wird. Und - obendrein - bei Wettläufen reüssiert. Diejenigen, die erkannt haben, dass dem nicht so ist, finden längst wieder zurück zur "alten Schule" und klopfen km-Umfänge und -intensitäten auf den Asphalt, dass es eine Freude ist. Und wieder halten es einige aus, die meisten nicht…Wenigstens punkto Ausgleichstraining hat sich einiges getan, Krafttraining, Rad fahren oder Langlaufen sind keine Sportarten für Spinner mehr, sondern probate Mittel zum Erfolg. Und nicht selten steigt der eine oder andere Läufer ganz um, weil er woanders eben mehr Talent vermutet.

Nun soll weder die eine oder die andere Trainingsphilosophie verteufelt oder besonders gelobt werden - zu unterschiedlich sind die Individuen auf dieser Erde, zu unterschiedlich deren Zielsetzungen; daher kann mittel- und langfristig wieder nur jeder für sich selbst entscheiden, ob er überhaupt den Körper für hartes Training und den damit wohl verbundenen Wettkampferfolg hat oder nicht; im zweiten Fall ist dies aber auch nicht schlimm, denn Ausgleich zum immer stressiger werdenden Leben - obwohl es doch ständig um so vieles einfacher wird aufgrund des tollen Fortschrittes… - kann nie verkehrt sein - in diesem Sinne, immer locker bleiben und raus auf die Laufbahn zum knüppelharten Intervall…

Christian Kleber (MAS)

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