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MaxFun Sports Laufsport Magazin

Alles ist relativ

Vergleiche im Laufsport sind nicht immer angebracht

Man ärgert sich bald einmal, wenn man nicht die Zeit gelaufen ist, die man sich vorgenommen hat oder wenn man „nur“ Zweiter wurde in seiner Altersklasse. Man ärgert sich genauso bald einmal, wenn man sich bei der dreistündigen Radausfahrt nicht optimal gefühlt hat oder wenn man schwere Arme hatte beim Freiwasserschwimmtraining. Man ärgert sich ebenso, wenn man im Lauf-Training vom vermeintlich Schwächeren abgehängt wird oder wenn man nach zwanzig gelaufenen Kilometern draufkommt, zu wenig gegessen zu haben, man aber noch zehn weitere Kilometer vor sich hat.

Dem kann man entgegenhalten, dass alles relativ ist. Im Vergleich zu jemandem, der überhaupt nicht laufen kann – etwa, weil er den ganzen Tag arbeiten muss oder verletzt, krank oder sonst was ist. In einem soclchen Fall ist man gut dran, auch wenn´s manchmal mühsam ist oder nicht nach Wunsch läuft. So richtig bewusst wird einem das meist erst dann, wenn man beispielsweise mit Fieber im Bett liegt und nicht einmal gehen kann. Was gäbe man darum, nur drei Kilometer im Sechserschnitt dahinwackeln zu können. Alles ist also relativ.

Genauso verhält es sich mit der eigenen Leistungsfähigkeit, wer z. B. einen Marathon „nur“ in vier Stunden schafft, ist klarerweise dennoch viel schneller als einer, der ihn in fünf absolviert. Aber klar langsamer als einer, der für diese Strecke lediglich drei Stunden benötigt. Dieser wiederum ist zwar relativ flott, 4:17/km und das über diese Distanz wollen erst einmal gelaufen sein, im Vergleich zu einem 2h30-Läufer sind drei Stunden eher mäßig. Zweieinhalb Stunden im Marathon sind bereits sehr ambitioniert, mit einer solchen Zeit qualifizieren sich Männer allerdings für nichts. Da bräuchte man in Österreich schon eine Zeit um 2h14Min. Das ist Wahnsinn und für die meisten Menschen nicht machbar. Sieht man sich hingegen die ewige Bestenliste an, erspäht man in etwa vierzig Läufer unter 2h04Min55s. Ein Eliud Kipchoge z. B. befindet sich nur einmal in selbiger, obwohl er einige Male unter 2h04Min55s bleiben konnte. Schnellster Marathonläufer aller Zeiten – in einem regulären Marathon, wohlgemerkt – ist nach wie vor Dennis Kimetto mit 2h02Min57s, um ein paar Ecken schneller war allerdings Kipchoge mit seinen 2h00Min25s am Formel-Eins-Kurs in Monza.

Was soll damit gesagt sein?
Alles ist relativ, selbst ein Spitzenläufer wie der Deutsche Arne Gabius ist mit seinem nationalen Rekord von 2h08Min33s international – vor allem im Vergleich zu den afrikanischen Läufern – im Nirgendwo angesiedelt. Spitzentriathleten wie Alistair Brownlee können bei einem 10er auf der Bahn unfassbar schnell laufen – Genannter lief sage und schreibe 28Min32s, nicht viele österreichische Läufer kommen da hin – eigentlich waren es lediglich Günther Weidlinger, Dietmar Millonig, Gerhard Hartmann und Michael Buchleitner, die jemals schneller gelaufen sind.

Es wird (fast) immer jemanden geben, der schneller läuft – außer man ist aktueller Weltrekordinhaber wie Kenenisa Bekele über 5000m (12Min37s) und 10000m (26Min17s) – aber auch diese Zeiten werden irgendwann Geschichte sein, ein anderer steht dann ganz oben, und der auch nicht für immer und ewig. Was also soll noch damit gesagt sein? Alles ist vergänglich, die (Spitzen-)Leistungen von heute sind morgen bereits vergessen oder zumindest nur noch Laufsport-Historie – deshalb sollte man sich schon alleine darüber freuen, dass man überhaupt Bewegung machen kann – auch ein Kenny Bekele oder ein Haile G. lieben die Bewegung, Letzterer ist aktuell bereits wesentlich langsamer als in seinen besten Tagen. Und trotzdem läuft er und läuft er und läuft er. Freue dich über jeden Schritt in der Frühlingssonne oder auch im strömenden Regen.

Link: www.maxfunsports.com

16.04.2018 12:00:00
Foto: pixabay.com
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